Wörgötter-Pass Bad Reichenhall 2001 e.V.
zur Pflege von Tradition & Brauchtum


Perchten & Krampusbrauchtum 


 

1. Krampus

Der Krampus ist ein Adventsbrauchtum in der Alpenregion Oberbayerns und Österreichs, welcher Brauchtums gemäß ausschließlich am 5. und 6. Dezember in Begleitung des „Heiligen Nikolaus*“ auftreten darf. Als Begleiter des „Heiligen Nikolaus“, welcher das Gute verkörpert, tritt der Krampus als das Böse(Teufel) auf.

1.1. Namensherkunft

Der Name „Krampus“ leitet sich vermutlich aus dem altdeutschen Wort „Krampen“ was so viel wie „Kralle“ bedeutet, oder aber auch vom Bayrischen Wort „Krampn“, welches „Lebloses, Verblühtes, Vertrocknetes oder Verdorrtes“ bedeutet ab.

1.2. Aussehen

Das Aussehen des Krampus soll furcht einflößend sein und ähnelt daher den Vorstellungen der Menschen an den Teufel.

 

- Bekleidet von Kopf bis Fuß mit einem bulligem Schaf- oder Ziegenfell, sowie meist mit einer Fellmaske welche mit 2 Kuhhörnern(oder mehr) und einer langen roten Zunge bestückt ist

- Mehrere große schwere Kuhglocken(Frosch- oder Flachmaul Glocken) welche an einen Lederne Weideriemen befestigt sind. Rasseln oder Schellen werden beim Krampus nicht eingesetzt

- Eine Weidenrutte sowie Ketten zum rasseln

- Der Nikolaus hingegen trägt ein Bischofsanzug, einen Stab sowie ein Buch

 

1.3.  Geschichte des Krampus

Der Brauch des Krampus war ursprünglich im ganzen Habsburgerreich sowie den angrenzenden Gebieten verbreitet. Zu Zeiten der Inquisition war es verboten(Todesstrafe) sich als teuflische Gestalt zu verkleiden. Trotz Verbots wurde in einigen abgelegenen Ortschaften dieser Adventsbrauchtum fortgeführt. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelt sich der sogenannte Einkehrbrauch, welcher von Teufelsgestalten begleitet wird. Während der Heilige Nikolaus die Taten des vergangen Jahres der Kinder prüfte und beschenkte, bestrafte der Krampus die Unartigen Kinder mit seiner Rute. 


1.4.  Der Krampus im 21. Jahrhundert

Auch heute noch laufen viele Kramperl zusammen mit dem Heiligen Nikolaus sowie meist zwei Engeln durch Städte und Dörfer um diesen Adventsbrauchtum zu erhalten. Leider wird heutzutage dieser schöne Brauch von einigen Kramperl ausgenutzt um Ihre Aggressionen mit der Rute abzubauen. Auch bei den Kindern und Jugendlichen verändert sich dieser Brauch zusehends und so wird oftmals aus dem Brauch des „tratzen“ wüste Beschimpfungen sowie körperliche Gewalt.

2.   Schiachperchten

Der Percht gehört zum Alpenländischen Brauchtum, welcher überwiegend im Berchtesgadener Land und weiten Teilen Österreichs stattfindet. Zwischen Weihnachten und Neujahr erscheint der Percht Brauchtums gemäß ausschließlich in den Raunächten. Ursprünglich wurde der Brauch ausschließlich von Junggesellen ausgeübt.

 

2.1.  Namensherkunft

Zur Namensbildung des Percht gibt es zwei Theorien. Eine Theorie leitet sich aus der Sagengestallt der „Perchta“ ab, eine andere Theorie leitet sich vom 6. Januar dem Dreikönigsfest auch „Epiphanias“(Erscheinung des Herren) ab.

Wahrscheinlicher ist jedoch die Theorie der „Perchta“, welche laut Sage „mit der wilden Jagd“ den Winter austreiben soll.

 

2.2.  Aussehen des Schiachperchten

Das Aussehen des Schiachperchten soll, wie der Name Schiech(hässlich, grausig) bereits vermuten lässt, hässlich und furcht einflößend sein. Erreicht wird dieser Effekt durch:

o  Langes zottiges Fell(meist Ziege) von Kopf bis Fuß

o  Grimmige Masken mit mehreren hochwertigen Hörnern(z. B. vom Steinbock)

o  Große Schwere Glocken(z. B. Schellen)

o  Kuh- und Pferdeschweif

Der Schiachperchten tritt dabei nur selten alleine auf, des Öfteren wird er von Hexen und einem „Wurzelsepp“ (verkörpert Wald- und Erdgeist) begleitet, welche sich durch folgende Merkmale unterscheiden:

o  Wurzelsepp: Trägt meist ein Trachten Lederhose samt Strickjacke und passendem Hut, sowie einen Rucksack und einen Gehstock

o  Hexen: Tragen meist ein Kleid sowie eine Hölzerne Maske mit langer Spitzer Nase (Sage der Perchta) 



2.3. Geschichte der Perchten

Im 16. Jahrhundert wurde zum ersten Mal der Name „Perchta“ mit Dämonen und Geistern in Verbindung gebracht. In Zeiten der Gegenreformation wurde dieser Brauchtum von der Kirche als unchristlicher Aberglaube eingestuft und Verboten. Erst im 19. und Ende des 20. Jahrhunderts änderte sich die Einstellung zum Perchtenbrauchtum.

Ursprünglich treten Schiachperchten, in großer Zahl, in den Raunächten zwischen Weihnachten und Neujahr zur auf.

2.4. Perchten im 21. Jahrhundert

Heute, im 21. Jahrhundert, schießen Perchtengruppen geradezu aus dem Boden. Aber nicht nur die Anzahl der Gruppen hat sich massiv vergrößert, auch die Masken können durchwegs immer öfter als nicht mehr Brauchtums gemäß, sondern als Horrormäßig betitelt werden.

2.5. Krampus und Perchtenbrauchtum Ende 20. Anfang 21. Jahrhundert

Brauchtum? Was bedeutet das überhaupt? Brauchtum ist eine Gewohnheit, welche sich innerhalb einer sozialen Gemeinschaft über einen längeren Zeitraum bildet. Die Entstehung eines Brauchtums erfolgt dabei allerdings nicht sofort, sondern verändert sich ständig. Diese Entwicklung kann sich positiv auswirken, aber auch negativ.

 

Wie entwickelt sich nun der Brauchtum des Krampus und der Perchten?

Besonders stark veränderten sich die beiden Brauchtümer zur Jahrtausend wende. Der Trend führt aktuell zu einem immer negativeren und kommerzielleren Erscheinungsbild, bei Krampus und Perchten in gleichem Maße.

Vor allem im Österreichischen Raum, aber auch im Berchtesgadener kristallisiert sich in den letzten Jahren ein neuer sogenannter „Krampuspercht“ heraus. Leicht erkennbar an den teilweise bereits Anfang November beginnenden „Showläufen“, welche sich aus einer Mischung von Schiachperchten, Krampus sowie mehreren Nikoläusen zeigt. Bekleidet mit bis zur Haut ausrasierten Fellen, Holzmasken welche eher an Horror und Fantasiefilme erinnern. Auch moderne Metal oder Elektro Musik, oder grell leuchtenden LED-Augen sind keine Seltenheit. Oftmals erinnern diese Art von Showläufen, hinter Meter hohen Bauzäunen, einem Halloween Umzug, als einer Jahrhunderten alten Tradition.

Einige Krampus und Perchtengruppen besinnen sich allerdings langsam aber sicher wieder dem alten Gedanken des Brauchtums zu. Durch wieder Traditionelleres Erscheinungsbild und ansprechenderem Auftreten. Vor allem von der älteren Generation, aber auch von Eltern mit kleinen Kindern, wird man durch diese alte, ursprüngliche Art der Traditionsauslegung mit Komplimenten gerade zu überschüttet. 

Welcher weg nun der richtige ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die Wörgötter-Pass Bad Reichenhall 2001 e. V. hat sich nach einigen unrühmlichen Jahren, in der Modernen Szene, letztendlich für die Traditionelle Art des Brauchtums entschieden.

„Tradition ist nicht das halten der Asche, sonder das weitergeben der Flamme“

Thomas Morus(1477/78-1535)